Sozialprojekt Laos

 

„Chulha“ Projekt in Nong Oln, Laos

 

Viele Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern sind beim Kochen oft hohen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Sie kochen auf offenen Feuerstellen in ihren Hütten und inhalieren dabei die schädlichen Abgase, die bei der Verbrennung entstehen. Betroffen sind davon alle, speziell aber vor allem Frauen und Kinder. Laut Statistiken der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben pro Jahr etwa 1,6 Millionen Menschen weltweit an diesem Rauchgasproblem (siehe Bericht WHO).

 

Der Belgier Antoon Dewerchin bereiste im Sommer 2009 Laos und wurde auf dieses Problem aufmerksam. Im Nordosten von Laos lernte Toon den Englisch-Lehrer Vanxay Thor aus dem kleinen Hmong-Dorf Nong Oln kennen, der ihn spontan in sein Haus einlud. Dort war das Rauchgasproblem nicht zu übersehen, da der Rauch beim Kochen nur sehr schwer nach außen abziehen kann. Die Hmong, eine Minderheitengruppe in Laos, bauen aufgrund ihres Geisterglaubens keine Fenster in ihre Hütten ein, somit sind die einzigen Öffnungen nach außen meist nur zwei Türen und kleine, aufgrund schlechter Konstruktion entstandene Löcher im Dach. Beim Abendessen diskutierten Toon und Vanxay über die Schädlichkeit des Rauches. Ein Video (Link) zeigt den Rauch im Inneren der Hütte.

 

Als Antoon Dewerchin zurück in Belgien war, ließ ihn dieses gravierende Gesundheitsproblem nicht los und er fing zu recherchieren an. So stieß er auf den „Chulha smokeless stove“, ein von der Firma Philips entwickelter Ofen, der diesem Problem Abhilfe schafft. Unter dem Motto „Philantrophy by Design“ entwickelt das Designcenter von Philips im holländischen Hauptsitz Eindhoven Lösungen für soziale und ökologische Probleme. In diesem Rahmen ist in einer Entwicklungszeit von 1,5 bis 2 Jahren der „Chulha smokeless stove“ entstanden. „Chulha“ ist die eigentliche Bezeichnung für den ursprünglich aus Indien stammenden Ofen. Dieser wurde von Philips weiterentwickelt und unter anderem mit einem Ofenrohr versehen. Somit kann der schädliche Rauch nach außen abziehen und das Leben der Menschen wird dadurch rauchfrei.  Philips gibt das Know-How zum Bau dieses Chulhas an NGOs und sozial engagierte Menschen kostenlos weiter, die in betroffenen Gebieten eine Produktion aufbauen möchten. Mit dieser Möglichkeit rief Antoon Dewerchin das Chulha-Projekt in Laos ins Leben.


Nach einem Besuch im Frühling 2010, bei dem Toon die Rahmenbedingungen vor Ort vereinbarte und erste Vorbereitungen traf, konnte im Juli mit dem Chulha-Projekt im Dorf Nong Oln gestartet werden. Das war der Zeitpunkt, bei dem ich zusammen mit Harald Voglhuber aufs Projekt aufsprang.
Toon kannte ich von einer Reise durch Nord-Vietnam im Jahr 2008. Er informierte mich in der intensiven Vorbereitungsphase immer wieder von seinen Plänen. Meinem regen Interesse folgte bald mein Tatendrang und so entschloss ich mich sehr spontan, ihm zusammen mit Harald vor Ort zu helfen und natürlich das Ganze fotografisch zu dokumentieren.

Nong Oln liegt etwa auf 1.500m im bergigen Nordosten von Laos in der Provinz Xieng Khouang. Es leben 84 Familien dort. Die Dorfbewohner verfügen weder über Strom noch über fließendes Wasser in ihren Häusern. Es gibt lediglich vier öffentliche Wasserleitungen im Dorf, wobei nicht immer alle funktionieren. Der nächste Zugang zu Strom befindet sich im größeren Dorf Muang Kham, das etwa 1,5 Stunden per Motorrad entfernt ist. Die Produktionsbedingungen für die Chulhas waren somit nicht ganz ideal. Die anfängliche Schwierigkeit bestand darin, alle notwendigen Produktionsmittel zu organisieren und herbeizuschaffen. Die Gießformen für die einzelnen

Ofenteile bestellte Toon in Indien, die Werkzeuge nahm er teilweise aus Belgien mit oder kaufte

sie in den größeren Städten Laos. Mit den einfachsten Mitteln sowie per Muskelkraft mischten wir Beton, bogen dicke Drahtstücke, die der Verstärkung des Betons dienten und befüllten die Gießformen mit dem fertigen Gemisch. Selbst die Ofenrohre mussten wir vor Ort aus Blech anfertigen. Während der Beton in den Formen ruhiggestellt wurde, wurden in den Hütten alle weiteren Vorbereitungen getroffen. Mittels Ziegelsteinen und Beton wurde ein Fundament für die Öfen geschaffen (die meisten Hütten sind nur mit einem sehr unebenen Erdboden ausgestattet)

und eine Öffnung in das Dach gemacht. Nach dem Öffnen der Formen – eine sehr heikle Angelegenheit – mussten die Betonteile noch weiter getrocknet werden. Erst nach ein paar Tagen konnten die Einzelteile am dafür vorgesehenen Platz in den Hütten mithilfe von Lehm zu einem Ganzen zusammengefügt werden.


Unser Ziel war es nicht nur, eine Produktionsstätte für die Öfen aufzubauen, sondern vor allem ein „Chulha-Team“ zusammenzustellen, das so weit geschult wurde, um nach unserer Abreise die Produktion eigenständig weiterführen zu können. Unsere „Einschulung“ der Dorfbewohner ging von der Herstellung des richtigen Betongemischs über Preiskalkulation bis hin zum Marketing. Neben der Sprachbarriere waren die sehr großen kulturellen Unterschiede, die wir erst verstehen lernen mussten, eine Herausforderung. Wir hatten etliche Probleme und Unverständlichkeiten zu lösen, haben jetzt aber ein „Chulha-Team“. Es besteht aus dem gelernten Zimmerer Vangyeng, dem Englischlehrer Vanxay sowie anderen Dorfbewohnern, die angelernt wurden um die Produktion bei Bedarf zu unterstützen.

 

Bei der Preiskalkulation für den Chulha sollte nicht nur eine Kostendeckung gewährleistet werden, sondern sich auch ein akzeptabler Gewinn für die Beteiligten ergeben. Dabei musste vor allem darauf geachtet werden, dass der Ofen für die lokale Bevölkerung leistbar ist. Der Kaufpreis für einen Chulha wurde mit knapp unter 30,– Euro berechnet. Für die Ärmsten im Dorf soll der Chulha zum Preis der reinen Arbeit, die bei der Produktion entsteht, verkauft werden. Das heißt, der berechnete Preis abzüglich der Materialkosten, die zum Teil aus Spendengeldern beschafft wurden.


Unser erster Ofen wurde im Elternhaus von Vanxay aufgestellt. Die Familie war begeistert und die Gesichter entzückt, als der erste Rauch aus dem Kamin nach draußen entwich. Danach konnten wir sogar selbst kochen. Kein unangenehmer, in den Augen stechender und giftiger Rauch mehr im Haus. Eine unglaubliche Wohltat!

 

Das Video zum Projekt!


Die Firma Philips hat 2009 den Index Award für die Entwicklung des Chulhas erhalten. Ein Video von Philips zeigt die Entwicklung und den Aufbau des Chulhas (Link zum Video).

 

 

Bilder vom Chulha-Projekt und vom Dorf Nong Oln und seinen Bewohnern:

 

Die Produktion des Chulhas

Das Leben im Dorf

Die Bewohner und wir