Das Leben im Dorf

 

Das Leben im Dorf


Nong Oln liegt im Nordosten von Laos auf etwa 1.500m in den Bergen. Man findet es in keiner Karte eingezeichnet und dennoch leben 84 Familien dort, die aus etwa 6 bis 10 Personen bestehen. Es ist kein typisches laotisches Dorf, denn die Bewohner gehören den Hmong an. Diese sind
eine etwa fünfprozentige Minderheit in Laos, wobei es unterschiedliche Gruppen gibt. Sie leben anders als die Laoten, das erkennt man bereits an der Bauweise ihrer Häuser. Die Menschen sind sehr arm, leben in Holzhütten und die Mehrheit geht der Feldarbeit nach. Die Hütten bestehen aus Holz und Bambusteilen, haben meistens nur einen Erdboden, eine offene Feuerstelle, zwei Räume (Küche und Schlafraum), keine Fenster und nur zwei Türen nach außen. Aufgrund ihres Geisterglaubens bauen die Hmong keine Fenster in ihre Häuser, da sie Angst haben, die Geister könnten hineinkommen. Dementsprechend finster ist es in den Hütten, auch am helllichten Tag. Die Dachkonstruktionen sind meist sehr schlecht, das heißt, es regnet an mehreren Stellen herein. Den Mittelpunkt der Küche bildet eine offene Feuerstelle, die mit aus den Wäldern herbeigeschlepptem Holz beheizt wird. Aus weiter Ferne sieht man bereits, wenn gekocht wird, da der Rauch konzentriert aus wenigen Öffnungen entweicht. Zu den Kochzeiten raucht es im Dorf an allen Ecken und Enden. Teilweise glaubten wir, dass ganze Hütten im Begriff waren abzubrennen. Uns war der Aufenthalt in der Küche beim Kochen fast nicht möglich. Der Rauch ist derartig schlimm, dass es in den Augen brennt. Für uns war es unvorstellbar, wie man sich je an diesen giftigen Rauch gewöhnen kann. Die Wände sind aufgrund des ständigen Rauches pechschwarz.

Trotzdem spielt sich das Leben meist innerhalb der Hütten ab, für uns nur schwer nachvoll- ziehbar. Die Frauen bereiten das Essen vor, die Männer schnitzen, die Kinder spielen und die Hunde schlafen beim Feuer. Vor Einbruch der Dunkelheit um halb sieben konnten wir die Be- wohner beobachten, wie sie meist schwer beladen von ihren Feldern zurückkehrten. Darunter waren auch sehr junge Kinder. Ihre Felder liegen einige Kilometer entfernt ziemlich versteckt in den Wäldern, die für uns wie kleine Oasen wirkten. Dort bauen sie Reis und Gemüse an, ihre Hauptnahrungsmittel. Im Dorf gibt es weder Strom noch fließendes Wasser in den Häusern. Somit herrscht zu den Stoßzeiten, frühmorgens und abends nach der Heimkehr von den Feldern, ein reger Andrang bei den paar öffentlichen Wasserstellen, die es im Dorf gibt. Es gibt weder ein Restaurant noch ein Geschäft oder einen Markt. Dafür kommen ab und zu vietnamesische Händler vorbei, die mit ihren überladenen Mopeds die Straße entlang keuchen, um Töpfe und dergleichen an die Frau zu bringen. Während unseres Aufenthaltes öffnete ein winziges Verkaufsstandl, dort gab es allerdings außer Batterien, Zucker und bunten chinesischen Süßigkeiten nicht mal Wasser zu kaufen. Das Dorf gibt sich von einer absolut idyllischen Seite, wenn man Frauen beim Sticken vor ihren Häusern sitzen sieht, während die Hühner gackern, die Hunde herumlungern und wenig später die hügelige Landschaft ins satte Sonnenuntergangslicht getaucht wird. Nach Einbruch der Dunkelheit ertönt Sprechgesang im Einklang mit unterschiedlichen Gongs. Beinahe jeden Tag hörten wir, wie irgendwo eine Zeremonie abgehalten wurde. Kapor, der Dorfschamane, in dessen Haus wir uns am öftesten aufhielten, kam dabei meist zum Einsatz.

 

 

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